Mein Beitrag zu #CoronaEltern

Andrea vom Runzelfüßchen Blog hat diese Woche im Stern einen Artikel zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Zeiten von Corona geschrieben. Die Quintessenz: die Bedürfnisse der Eltern fallen komplett hinten über und sie sind beide völlig ausgelaugt. Am Tag darauf schreibt sie in ihrem eigenen Blog über die Reaktionen, die in grob in zwei Gruppen einsortiert werden können: die einen, die sagen „Seh ich genau so, du sprichst mir aus der Seele.“ (dazu gehöre ich und so viele andere, die ich kenne) und die anderen, die ihr vorwerfen „Was beschwerst du dich? Du wolltest doch schließlich Kinder haben.“

Ich möchte denen, die Standpunkt 2 vertreten, folgendes sagen:

Ja, auch ich wollte immer Kinder haben, schon seit ich denken kann. Ja, und ich beschwere mich auch über die aktuelle Situation mit zwei Kinder zu Hause und ohne Kita. Dabei sind es bei mir, wenn man so möchte, die viel besagten Luxusprobleme: kein Home Office und kein Home Schooling, während mein Partner Vollzeit arbeitet und sich zum Glück aktuell keine Sorgen um seine Existenz machen muss. Und nein, mein Plan war es niemals, Kinder zu bekommen und den Großteil des Tages mit ihnen zu Hause zu verbringen für unbestimmte Zeit während einer Pandemie.

Elternsein in den Medien vs. in der Realität

Ich muss auch sagen, so viele Dinge habe ich mir anders vorgestellt über das Elternsein, bevor ich dann selbst Mutter wurde. Denn erst dann wurde, wurde mir bewusst, dass alles, was in den Medien so rosig und einfach dargestellt wird, harte, teilweise nervenaufreibende Arbeit ist und vieles vom Mainstream-Elternbild hat auch einfach nicht mit meinen Werten übereingestimmt.

Es ist nicht mein Ziel, dass meine Kinder so schnell wie möglich im eigenen Zimmer und im eigenen Bett schlafen, dass sie so schnell wie möglich durchschlafen und selbstständig werden. Vielmehr ist es mir wichtig, meinen Kindern das zu geben, was sie jetzt gerade von mir benötigen, z.B. Nähe, Unterstützung, Begleiten ihrer Gefühle und sie nicht dazu erziehen, mir bzw. uns so wenig wie möglich Arbeit zu machen.

Elternsein und bedürfnisorientiert und artgerecht leben zu können, bedeutet für mich Austausch mit anderen Menschen und wenn nötig, Unterstützung von Familie, Freunden und anderen Eltern zu haben. Mit Corona fällt all das völlig weg, wenn es vorher überhaupt ausreichend vorhanden war. Davon abgesehen haben sich unsere Freizeit-Aktivitäten gerade auf 0 reduziert. Keine Kita, kein Spielplatz, kein Freunde treffen, kein Sport, keine sonstigen Hobbys.

Corona Alltag ohne Perspektive…? Wie soll das gehen?

Meine Kinder sind aktuell beide zu Hause, den ganzen Tag und ein Großteil der Nacht befinden sie sich unmittelbar in meiner Nähe. Sie kleben an mir, ca. 22 Stunden Tag und Nacht. Aus Verunsicherung, Langeweile, Traurigkeit, Schutzbedürftigkeit und manchmal schlicht und einfach aus Mangel an Alternativen. Mama muss alles richten und hat wortwörtlich keinen Freiraum für sich selbst, nicht mal nachts im Bett zum Umdrehen…

Ich bin noch für die nächsten sechs Monate in Elternzeit und war gerade so weit, dass ich ein wenig Freiraum für mich selbst als Frau und Individuum und nicht nur als Mutter geschaffen habe. Jetzt sind die Uhren gefühlt wieder zurückgedreht auf Anfang und darüber hinaus. Im Alltag gibt es für mich kaum mehr Rückzugsmöglichkeiten oder viel zu wenig.

Ich weiß nicht, wie oft meine Kinder an einem Tag „Mama“ sagen können und ich bin nicht in der Lage, das zu zählen, aber ich weiß ganz sicher, dass ich das Wort „Mama“ so langsam wirklich nicht mehr hören kann… So viele Pläne, die wir in letzter Zeit gemacht haben, funktionieren einfach nicht oder sind zum Scheitern verurteilt.

#CoronaEltern ohne Pause und soziale Kontakte

Social Distancing führt dazu, dass wir nur sehr eingeschränkte soziale Kontakte haben und nur indirekt über Entfernungen oder Telefon / Laptop. Das ist notwendig, um die Infektionsraten zu senken, keine Frage, aber es ist nicht artgerecht! Die Kinder – und auch wie Erwachsenen im Übrigen – leiden unter fehlenden Kontakten mit Familie, Freunden und ihren Erzieher*innen.

Was ich (und so viele andere da draußen) nicht verstehen kann, ist, wie es sein kann, dass die Politik allen hilft, die durch das Coronavirus in Probleme oder wirtschaftliche Schieflage geraten. Aber die Familien und vor allem die Mütter sollen mindestens bis August diese Doppel- und Dreifach-Belastung mit Home Schooling, Homekita und Home Office irgendwie fortführen? Vom Haushalt spreche ich an der Stelle erst gar nicht.

Wie soll das gehen? Und warum gibt es hier noch immer keine ernsthafte Lösung aus der Politik? Nur wage Überlegungen? Geschäfte, Restaurants, Friseure dürfen wieder öffnen, aber für Kitas und Schulen gibt es noch keine ernsthafte Perspektive, wann sie wieder öffnen? Wie kann das sein?

Warum haben Familien so wenig Lobby?

Warum werden sie seit Jahren – oder sind es Jahrzehnte – in der Politik so wenig wahrgenommen?

Wann wird sich all das endlich ändern? Trägt die derzeitige Krise am Ende dazu bei durch Hashtags wie diese? Oder wird alles am Ende gleich bleiben? Oder schlimmer? Wo wir uns aktuell zurück in die 1950er geworfen fühlen, da muss ich Jette recht geben. Und wie lang soll das so weitergehen für die Familien? Bis alles zusammen bricht?

Fragen über Fragen.

Und die Kitas und Schulen wieder zu öffnen, kann sicher nicht die richtige Lösung sein. Aber was ich ebenfalls ganz sicher weiß: ich gehöre auch zu den Eltern, die wütend sind und die das alles gerade nicht gerecht finden. Also: lasst uns protestieren und hoffen wir, dass dieser Aufschrei endlich zu einer Reaktion und zu Veränderungen führt. So geht es nicht weiter, so kann es nicht weiter gehen – nicht bis August!

Organisation in Bedarfsgemeinschaften

Der bisher beste und am einfachsten umsetzbare Vorschlag, den ich bisher gefunden habe, liegt in der Organisation in Bedarfsgemeinschaften, wie es bei Edition F zu lesen ist. Ein paar wenige Familie, maximal zwei bis vier, schließen sich zusammen, um sich die Kinderbetreuung aufzuteilen. Die Kinder können im privaten Raum, Haus oder Garten, und unter Aufsicht von Erwachsenen miteinander spielen, während die restlichen Erwachsenen abwechselnd arbeiten können. Wir sind nicht dazu gemacht, jeder für sich alleine zu kämpfen – wir alle brauchen eine Gemeinschaft.

#CoronaEltern

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Sonnenkinderleben.de: Ich bin Jenni und hier findest du mehr über mich.

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