Anfang des Monats ist mein ältestes Kind 10 Jahre alt geworden. Und gleichzeitig haben wir ihren Abschied von der Grundschule gefeiert, die jetzt mit Beginn der Sommerferien zu Ende gegangen ist. So viele Feiern: Grundschul-Abschiedsfeier und Kindergeburtstag an einem Wochenende, unter der Woche noch die offizielle Verabschiedung der Viertklässler*innen in der Schule und dann am Wochenende danach noch Geburtstagsfeier mit Familie.
Vor lauter Feiern hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass ich gar nicht mehr dazu komme, die ganzen Emotionen, die da mit dabei sind, wirklich zu spüren. Da überwogen viel mehr noch der ganze Stress um die vielen Feierlichkeiten und die Vorbereitungen, die dafür zu tun sind.
Wie fühlt sich 10 Jahre Elternsein, 10 Jahre Mutterschaft an?
Es ist eine ganz schön lange Zeit, die gleichzeitig irgendwie sehr schnell vorbei gegangen ist. Und den Gedanken, dass die nächsten 10 Jahre genau so schnell vorbei gehen werden, finde ich gerade etwas erschreckend.
Elternsein bedeutet Verantwortung übernehmen
Ich weiß noch, wie ich vor 10 Jahren, dieses kleine Wesen im Arm hielt und völlig überfordert war von der Verantwortung, die ich plötzlich fühlte. Ich hatte das Gefühl, dass ich keine Ahnung habe, was zu tun ist und wie ich mit diesem Kind umgehen soll. Über die Geburt und die Zeit danach habe ich vor längerer Zeit schon mal geschrieben. Es war kein einfacher Start, denn mein Baby wurde wenige Stunden nach der Geburt in ein anderes Krankenhaus auf die Neugeborenen-Intensivstation gebracht und ich konnte sie nicht begleiten und konnte dort nicht mit ihr gemeinsam als Patientin aufgenommen werden.
Doch als wir dann – 6 Tage später – mit unserem Baby zu Hause angekommen waren aus dem Krankenhaus, hat unser Baby geweint und am Anfang nicht aufgehört zu weinen und wir waren überfordert davon. Ich erinnere mich daran, dass die Hebamme am späten Nachmittag oder frühen Abend noch einmal vorbeikam und in der Zwischenzeit hatte die Kleine natürlich aufgehört zu weinen.
Und doch hatte ich das Gefühl, dass ich nichts weiß: ich weiß nicht, wie das Stillen geht, weil mein Baby doch die meiste Zeit gar nicht bei mir war und ich weiß nicht, wie ich sie wickeln muss und ich weiß nicht, wie ich sie trösten kann und ich weiß überhaupt gar nicht, wie ich sie behandeln muss, damit sie am Leben bleibt. Und anfangs war ich nachts oft wach und habe im dunklen Schlafzimmer gehorcht, ob sie noch atmet, denn wegen des unregelmäßigen Atmens war sie vorher auf der Intensivstation gelandet.
Aber sie hat nicht aufgehört zu atmen – zum Glück – und sie hat eine Zeit lang nicht aufgehört zu weinen – und dann irgendwann doch zum Glück und ich konnte wieder besser schlafen. Dann wurde sie größer, ging zur Tagesmutter und ich ging wieder arbeiten und fand es seltsam, zu arbeiten und dass mein Kind nicht mehr den ganzen Tag bei mir war, obwohl ich doch so sehnlichst darauf gewartet, dass ich wieder arbeiten konnte nach einem Jahr Elternzeit.
Große Schwester werden
Später wurde ich wieder schwanger, wir zogen um und mit nicht ganz drei Jahren bekam unser „Baby“ ein kleines Geschwisterkind und kam mir plötzlich gar nicht mehr so klein vor gegen das winzige Baby, das nun ebenfalls zu uns gehörte. Ich weiß noch, dass ich zu diesem Zeitpunkt sehr überfordert war: wir waren gerade erst umgezogen, überall standen Kartons und nichts war fertig aufgebaut und im nächsten Moment waren wir im Kreißsaal und im übernächsten Moment schon wieder zu Hause – dieses Mal eine viel unkompliziertere Geburt und wir sind noch am selben Abend nach Hause gefahren.
Und dann war da diese kleine große Zweijährige, die ebenfalls mit all dem klar kommen musste: ein neues unfertiges Zuhause, ein kleines Geschwisterkind, eine Mama, die sich plötzlich nicht nur um sie kümmern muss und ein Papa, der versucht, das neue Zuhause wohnlich zu machen, und so viel mehr.
Wir waren eine Zeit lang alle überfordert. Und dann wurde es irgendwann wieder besser. Aber irgendwie ist diese Zeit und diese Überforderung so in mir hängen geblieben und das Gefühl, wie ungerecht sich das alles für mein großes Kind angefühlt haben muss.
Der Unterschied von der Mutter, die ich mit nur einem Kind war, zu der Mutter, die ich mit zwei Kindern war, fühlte sich so riesig an – eine riesige Lücke. Dieses Gefühl hin und hergerissen zu sein und es niemanden so richtig recht machen zu können – das ist seitdem in mir drin.
Die Corona-Zeit und zweifaches Große-Schwester-Sein
Meine große Tochter ging in der Zwischenzeit in die Kita und knüpfte dort viele neue Freundschaften, von denen die meisten tatsächlich bis heute halten. Dann kam Corona und es wurde wieder alles anders und sie musste zusammen mit Mama und der kleinen Schwester zu Hause bleiben und durfte ihre Freund*innen nur selten oder aus der Entfernung sehen.
Ich wurde wieder schwanger und als sie ihr Vorschuljahr begann, kam ihre Schwester auch in die Kita und ich konnte wieder arbeiten – nur kurz, denn der Beginn meines Mutterschutzes stand zu diesem Zeitpunkt schon fest. Und als der Mutterschutz begann, war die Kita wieder für eine Weile geschlossen wegen der Pandemie. Kurz vor der Geburt hatte ich dann doch noch ein paar Vormittage alleine zu Hause und meine Kinder durften endlich wieder in die Kita.
Mit der Geburt der Jüngsten wurden meine großen Kinder zum ersten und zweiten Mal große Schwestern. Und dieses Mal war es für uns alle wesentlich entspannter und nicht so viel neues gleichzeitig, sondern „nur“ ein drittes Kind.
Der Beginn der Schulzeit
Kurz darauf kam die Einschulung der Großen, danach wie im Flug die zweite, dritte und vierte Klasse. Und nun sind diese vier Jahre Grundschule bereits vorbei. Im letzten Sommer wurde ihre Schwester eingeschult, sodass die beiden nach einem gemeinsamen Kita-Jahr nun noch ein gemeinsames Grundschul-Jahr hatten.
Jetzt geht es weiter mit einer neuen Schule nach den Sommerferien, ein neuer Schulweg, neue Freundschaften, neue Interessen und Hobbys vielleicht – wer weiß, wie ihr Weg weitergehen wird. Ich bin sicher, dass sie ihren Weg finden wird, so wie ich meinen Weg gefunden habe.
Und gleichzeitig bleiben da immer meine Sorgen: habe ich ihr geholfen, so gut ich konnte? Habe ich zu oft „nein“ oder „später“ gesagt, wenn sie meine Hilfe benötigt hat? Habe ich ihr als die älteste von dreien zu viel abverlangt? Hätte ich mich mehr um sie kümmern müssen? So viele Fragen und noch viel mehr, die manchmal in meinem Kopf kreisen, und ich werde sie wohl nie wirklich beantworten können und die Zweifel werden bleiben.
Würde ich heute etwas anders machen?
Alles und vielleicht gleichzeitig nichts. Wenn ich mit meinem Wissen und meinen Erfahrungen von heute noch einmal in der Zeit zurückreisen und noch einmal ganz neu mit dem ersten Moment als Mutter starten könnte, dann würde ich sicher vieles anders machen.
Ich würde mir weniger Sorgen machen, ich würde mir mehr Zeit nehmen für meine Kinder und ganz besonders für die Große, die so oft gegenüber den kleineren Geschwistern zurückstecken musste. Ich würde mehr auf die Gefühle meiner Kinder achten – und gleichzeitig mehr darauf schauen, dass ich meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht vernachlässige.
Ich würde mehr darauf pochen, dass wir als Eltern ein gleichberechtigtes Team sind und dass ich mich weniger überfordert und überlastet fühle von all dem Mental Load und dem Emotional Load, den ich als Mutter in den letzten 10 Jahren übernommen habe – nicht von jetzt auf gleich, sondern Stück für Stück, ganz unmerklich und mein Rucksack wurde immer größer und schwerer.
Und wenn ich in der Zeit zurückreisen würde und mein Gedächtnis der letzten 10 Jahre dabei gelöscht werden würde, dann würde ich das alles wahrscheinlich noch einmal genau so machen, wie ich es gemacht habe in den letzten 10 Jahren – nach meinem besten Wissen und Gewissen unperfekt und menschlich, so gut es eben geht und machbar ist. Genauso wie ich auch jetzt weitermache und immer weitermache: so gut ich kann als die beste Mutter, die ich für meine Kinder sein kann.
10 Jahre Muttersein – auf die nächsten 10 Jahre!
Was ich mir vornehme für die nächsten 10 Jahre, ist viel weniger bloßes Durchhalten, weniger Hektik, weniger Mental Load und ständiges immer Weitermachen, weil „man das halt so macht“.
Viel mehr wünsche ich mir mehr Achtsamkeit für meine eigenen Bedürfnisse und die meiner Kinder (ja, genau, ich habe meine Bedürfnisse als erstes aufgezählt).
Ich möchte in 10 Jahren Kinder haben, die immer noch mit ihren Problemen und Sorgen zu mir kommen, auch wenn sie Teenies sind und die Älteste dann gerade die Teens verlassen hat, und die sich gesehen fühlen im Alltag und im Familienleben. Und ich möchte mich selbst auch weiter entwickeln mit einem klaren Warum im Familienleben und im Berufsleben – mit einem Leitstern, statt wie bisher gefühlt orientierungslos zu reagieren alles, was im Alltag so passiert. Das ist mein Ziel.
Lass mich gerne wissen: was sind deine aktuellen Herausforderungen im Elternleben? Erzähl es mir gerne in den Kommentaren.
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Wenn auch du dein Warum und deinen Leitstern im Elternleben suchst, buche dir gerne ein kostenloses Gespräch mit mir und wir schauen, ob wir uns beide eine Zusammenarbeit miteinander vorstellen können.
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Sonnenkinderleben.de: Ich bin Jenni und ich bin feministische Coachin, artgerecht® Erziehen ohne Schimpfen Coach, Dreifachmama, begeisterte Anwenderin der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg sowie Content- und Marketing-Expertin. Hier findest du mehr über mich.
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