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Bedürfnis-ABC

ABC zum bedürfnisorientierten Familienleben

Im Bedürfnis-ABC findest du von A wie Artgerecht bis Z wie Zähne putzen Definitionen und Tipps zum bedürfnisorientierten Familienleben.

Das Bedürfnis-ABC ist aktuell noch im Aufbau. Jede Woche kommt mit dem nächsten Buchstaben ein neuer Begriff dazu. Bild und Text zum neuen Begriff werden zuerst in den sozialen Netzwerken veröffentlicht und dann auf dieser Seite.

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A wie Artgerecht

Kinder artgerecht erziehen – was bedeutet das eigentlich?

Die Expertin schlechthin dafür ist für mich Nicola Schmidt vom Artgerecht-Projekt. Sie setzt sich seit langem für Bindung, Bedürfnisorientierung und allem, was dazu gehört, ein.

Das Motto vom Artgerecht-Projekt lautet „Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen“ und durch Nicola und ihr Team ist artgerechte und bindungsorientierte Erziehung mit bekannt geworden.

Nicola Schmidt ist auch erfolgreiche Buchautorin und ich finde mich jedes Mal in der Art, wie sie schreibt total wieder: bodenständig und mit vielen Situationen aus dem Alltagsleben.

Autor*innen wie Nicola helfen mir, den Weg in Richtung Bindung zu meinen Kindern wiederzufinden, wenn ich diesen Weg im Trubel des Alltags gerade verloren habe und dafür bin ich ihr und ihren Mitstreiter*innen sehr, sehr dankbar.

B wie Brav sein

B wie Brav sein - Bedürfnis-ABC

„Du bist aber brav!“

Wie oft habe ich den Satz schon gehört – im Supermarkt, im Kindergarten, auf dem Spielplatz oder auch von dem ein oder anderen Verwandten.

Ich gebe zu, früher habe ich diesen Satz auch verwendet, um mein Kind zu loben. Heute weiß ich: mein Kind ist weder brav noch frech – es ist entweder in der Lage zu kooperieren oder eben nicht mehr.

Kinder wollen immer kooperieren – wenn sie das nicht tun, dann ist ihre Kooperationsfähigkeit aufgebraucht. Sie sind müde, hungrig oder hatten einen langen Tag in Fremdbetreuung, wo sie bereits kooperieren mussten. Kurz: wenn sie nicht mehr kooperieren können, gibt es ein unaufschiebbares Bedürfnis, das zunächst gestillt werden muss, bevor das Kind wieder kooperieren kann.

C wie Co-Regulation

C wie Co-Regulation - Bedürfnis-ABC

Was ist eigentlich Co-Regulation?

Babys und Kleinkinder können Gefühle noch nicht selbst verarbeiten, sie brauchen dabei unsere Hilfe. Der Satz „Jetzt beruhig dich mal“ ist bei einem aufgeregten, wütenden und schreienden Kleinkind fehl am Platz, es hat schlicht und einfach noch sehr begrenzte Fähigkeiten zur Selbstregulation und benötigt unsere Co-Regulation.

Wie können wir als Erwachsene Kleinkindern und Babys in solchen Situationen helfen? Zum Beispiel indem wir die Situation und die Gefühle spiegeln: du bist wütend / hungrig / müde / hast dir weh getan /…

Das Begleiten und Ausleben von Gefühlen kann dabei auch für uns Erwachsene durchaus anstrengend sein – besonders dann, wenn wir das in unserer Kindheit selbst anders erlebt haben und alleine lernen mussten, uns selbst zu regulieren.

Dabei sollten stets alle Gefühle erlaubt sein, ein „Ist doch nicht schlimm“ oder „Hat doch nicht weh getan“ ist immer fehl am Platze. Schließlich können wir gar nicht wissen, ob unser Kind sich wirklich nicht weh getan und beispielsweise nur erschreckt hat – aber auch das kann übrigens Grund genug sein, um den Schreck durch Weinen verarbeiten zu müssen.

Um Kindern zur Selbstregulation zur verhelfen, ist es wichtig, Gefühle immer zu benennen – nicht nur in stressigen Situationen, sondern auch im ganz normalen Alltag. So lernt das Kind sich und seine Gefühle gut einzuschätzen. Da kann am Ende so mancher Erwachsener noch etwas von lernen…

D wie Durchschlafen

D wie Durchschlafen - Bedürfnis-ABC

„Und – schläft dein Kind schon durch?“

Hand hoch, wer diese Frage nicht mehr hören kann. Mir wurde sie auch oft genug gestellt und meine Zweijährige schläft übrigens heute noch nicht durch.

Wie kannst du auf diese Frage reagieren? Ein paar Ideen:

  • Nein, mein Neugeborenes schläft noch nicht durch und das ist auch gut so.
  • Na klar, schon längst. (völlig egal, ob es stimmt oder nicht – Hauptsache, die Leute hören auf zu fragen…)
  • Wie definierst du denn Durchschlafen?

Was mir am meisten geholfen hat? Die Einsicht, dass es aus evolutionsbiologischer Sicht völlig unsinnig und zudem gefährlich ist, wenn Babys durchschlafen. Aus diesem Grund kann ich übrigens nur von sämtlichen „Schlaf-Trainings“ – und seien sie angeblich noch so sanft – absolut abraten!

E wie Entschuldigung

E wie Entschuldigung - Bedürfnis-ABC

„Ich habe doch Entschuldigung gesagt – ist jetzt nicht alles wieder gut?“

Diese Worte hat meine Tochter schon ein paar Mal zu mir gesagt, denn so hat sie es teilweise in der Kita gelernt. Meine Antwort lautet dann: nein. Denn es sind es nicht unbedingt ihre Worte an sich, die etwas an der Situation ändern, sondern die Tatsache, dass die Worte eine Bedeutung haben sollten und dass meine Kinder diese Bedeutung hoffentlich verstanden haben.

Ein genuscheltes Entschuldigung an die Schwester, der gerade weh getan wurde, macht für mich noch lange nicht alles gut. Anders sieht es für mich aus, wenn mein Kind versteht, was es falsch gemacht hat, ob mit Absicht oder ohne, und die Schwester liebevoll getröstet wird. Und das geht im Zweifel auch ganz ohne Worte.

Daher ist es für mich wichtig, auch als Erwachsene mit gutem Beispiel voranzugehen und mich ebenfalls bei meinen Kindern und natürlich auch bei allen anderen Menschen zu entschuldigen, wenn ich merke, dass ich etwas falsch gemacht habe. Deswegen verlange ich von meinen Kindern nicht, dass sie sich entschuldigen sollen, sondern erkläre ihnen möglichst wertfrei, was passiert ist und was die verletzte Person wohl fühlt. Eine Schuldzuschiebung versuche ich dabei ebenso zu vermeiden, wie das Loswerden dieser Schuld durchs Ent-Schuldigen.

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