Mein Geburtsbericht vom Julimädchen: eine langwierige Erstgeburt

Unser Julimädchen hat vor mittlerweile mehr als fünf Jahren lange auf sich warten lassen: erst hat sie den ET um sechs Tage überschritten und dann hat sich die eigentliche Geburt sich auch noch ziemlich lange hingezogen und war nicht ganz ohne Komplikationen. Wie es mir dabei erging, das möchte ich in meinem Geburtsbericht zum heutigen Roses Revolution Day erzählen.

Die ersten Wehen: endlich beginnt die Geburt

Ich weiß noch, dass es an den Tagen vor der Geburt sehr heiß war und ich deswegen meist nur abends das Haus verlassen habe, um eine Runde mit meinem Mann spazieren zu gehen. Gerade nach dem Überschreiten des errechneten Termins habe ich die Hitze zum Ende der Schwangerschaft nicht mehr gut vertragen können.

Gleichzeitig war ich ungeduldig, wollte endlich, dass die Schwangerschaft vorbei ist und meine Tochter in den Armen halten zu können.

Samstagsabends, fünf Tage nach ET, bin ich auch aufgrund der Hitze spät ins Bett gegangen, wie fast immer in den letzten Tage. Ich habe das Gefühl, dass ich die letzten Tage ohne Kind ausnutzen oder genießen sollte, bevor ich mehrfach die Nacht zum Stillen geweckt werde. Gleichzeitig denke ich aus genau demselben Grund, dass ich möglichst viel schlafen sollte, solange mich niemand weckt.

Nach gerade mal einer Stunde Schlaf merke ich die erste Wehe und ich bin erleichtert, dass mir eine Einleitung der Geburt wohl erspart bleiben wird. Die Wehen kommen ca. alle 30 Minuten und eigentlich könnte ich in der Zeit dazwischen schlafen, aber ich bin zu aufgeregt und liege wach im Bett.

Sonntagmorgen: unregelmäßige und unproduktive Wehen

Gegen 7 oder 8 Uhr stehen wir auf, ich dusche erst noch mal, da die Wehen ja noch sehr weit voneinander entfernt sind und sich einigermaßen gut aushalten lassen.

Mein Mann lädt die Taschen fürs Krankenhaus währenddessen bereits ins Auto. Ich bin aber noch nicht bereit, ins Krankenhaus zu fahren, also bleiben wir noch etwas zu Hause und ich laufe durch die Wohnung oder lege mich auf die Couch. Die Wehen kommen in unregelmäßigen Abständen zwischen 6 und 10 Minuten.

Gegen Mittag beschließe ich, dass ich nun doch ins Krankenhaus möchte – irgendwie habe ich die Hoffnung, dass die Wehen dadurch regelmäßiger werden, obwohl die Hebammen im Geburtsvorbereitungskurs uns das Gegenteil angekündigt hatten.

Im Kreißsaal

Im Krankenhaus angekommen, gibt es noch einmal ein CTG, dass recht starke, aber weiterhin unregelmäßige Wehen anzeigt. Im Anschluss werde ich von der Hebamme untersucht, der Muttermund ist etwa 2-3 cm geöffnet. Sie schlägt einen Spaziergang vor, damit die Wehen ein bisschen mehr angeregt werden und verabschiedet sich gleichzeitig, da ihre Schicht nur bis zum Mittag geht.

Wir verlassen langsam das Krankenhaus und gehen langsam spazieren. Weit kommen wir jedoch nicht, da ich bei jeder Wehe stehenbleiben und mich an meinem Mann oder einer Bank festhalten muss. Zum Glück gibt es in der Nähe des Krankenhauses einen großen Park und genug Bänke zum Ausruhen.

Etwa 45-60 Minuten später sind wir nach einem Spaziergang von vielleicht 400 Metern wieder zurück im Kreißsaal. Die Hebamme untersucht noch einmal den Muttermund und es gibt ein neues CTG. Die Frauenärztin stellt sich vor und legt mir einen Zugang. Sie ist zuversichtlich, dass wir uns bis zu ihrem Schichtende um 20 Uhr zur Geburt wiedersehen.

Wir kommen nun vom Untersuchungszimmer in einen Kreißsaal. Von uns abgesehen sind alle anderen Kreißsäle leer, nur das CTG-Zimmer ist kurzfristig besetzt, ansonsten ist die Station ruhig und leer.

Ich laufe im Kreißsaal ein bisschen hin und her, meist mit den CTG-Panels am Bauch, was meinen Bewegungsradius allerdings stark einschränkt. Dann setze ich mich kurz auf den Gymnastikball, was ich aber auch schnell unbequem finde. Ich bitte die Hebamme um Schmerzmittel und bekomme einen Tropf, der die Schmerzen aber nur bedingt einschränkt und der kurz dazu führt, dass mir schlecht wird. Ich bitte daraufhin um eine PDA.

Wehenpause durch PDA

Die Hebamme ruft bei der Anästhesistin an, die noch im OP ist und erst danach zu uns kommen kann. Ich sitze auf dem Kreißsaal-Bett und es piekst kurz in meinem Rücken, danach sind die Schmerzen der Wehen fast verschwunden. Die Wehen allerdings auch. Ich spüre nun gar nichts mehr und kann die Wehen nur noch am CTG ablesen.

Irgendwann ist es später Nachmittag oder Abend und wir bekommen ein Abendbrot im Kreissaal. Dann findet ein erneuter Schichtwechsel statt und die Frauenärztin, die zur Geburt wiederkommen sollte, werde ich nicht mehr wiedersehen.

Die neue Hebamme untersucht mich noch einmal. Der Muttermund ist mittlerweile etwas weiter geöffnet und sie vermutet anhand der Fontanellen, die sie tasten kann, dass mein Baby mit dem Gesicht nach oben liegt, ein Sternengucker. Sie ruft die neue zuständige Frauenärztin dazu, die mit einem Ultraschall-Gerät kommt, um die Position des Babys sehen zu können. Sie bestätigt uns, dass sie mit dem Gesicht nach oben liegt, was die Geburt erschweren würde.

Die Hebamme sagt mir, dass ich mich auf das Kreißsaal-Bett legen soll, und hilft mir, mich alle halbe Stunde von der einen Seite auf die andere zu drehen. So soll sich das Baby im Bauch noch in die richtige Richtung drehen. Ich bekomme Wehen-Tropfen, weil die Wehen durch die PDA fast ganz verschwunden sind. Am späten Abend wirkt die PDA nicht mehr und die Anästhesistin kommt zurück, um noch einmal nach zu spritzen.

Montagmorgen: völlig geschafft

Irgendwann beginnt der nächste Tag und ich bekomme Kopfweh. Durch die neue PDA kribbeln meine Beine und ich kann mich nicht mehr gut bewegen. Also bleibe ich auf dem Bett liegen, obwohl ich mich lieber bewegen würde. Am frühen Morgen zwischen 3 und 4 Uhr schlafe ich auch kurz ein, vielleicht für eine Stunde oder zwei.

Gegen 5 Uhr kommt die Hebamme zurück und dreht den Wehen-Tropf wieder höher, um die Geburt doch wieder zu beschleunigen. Die zweite PDA lässt nun langsam nach und ich spüre einen Druck im Becken. Der Kopf meines Babys ist nun endlich ganz nah am Ausgang. Die Hebamme sprengt daraufhin die Fruchtblase, um die Wehen anzukurbeln.

Sie leitet mich dann mit dem CTG an, bei jeder Wehe kräftig mit zu drücken. Das ist im Liegen und nach zwei Nächten mit sehr wenig Schlaf sehr anstrengend und mein Baby rutscht nach der Wehe immer wieder ein Stück zurück. Sie ruft die Ärztin zur Geburt dazu.

Die Gynäkologin ist ein besorgt über den langen Geburtsverlauf und bespricht Alternativen mit uns – sie will sich bei den nächsten Wehen mit ihren Händen auf meinen Bauch legen und das Baby so vom Zurückrutschen hindern – ein Kristeller Griff also. Alternativ würde sie eine Saugglocke ausprobieren und wenn gar nichts mehr hilft, redet sie als letzte Möglichkeit vom Kaiserschnitt, den ich eigentlich nach der langen Zeit jetzt überhaupt erst recht nicht möchte.

Endlich ist unser Baby da

Bei den nächsten Presswehen hilft die Ärztin also mit viel Druck auf meinen Bauch mit. Ein paar Presswehen später ist unser Baby endlich da. Es ist kurz vor dem nächsten Schichtwechsel. Das Julimädchen wird auf meinen Bauch bzw. meine Brust gelegt.

Kurz danach wird mit einer der nächsten Wehen und ein bisschen Mithilfe der Hebamme, die an der Nabelschnur zieht, auch die Plazenta geboren. Mein Mann darf die Nabelschnur durchschneiden. Er geht mit der Hebamme an die Wickelstation für die U1.

Ich gucke mir mit der Ärztin die Plazenta an. Sie erklärt mir, was außen und innen ist und dass die Plazenta vollständig ist, also alles gut. Die Hebamme möchte die Überreste der Geburt aufräumen und verfehlt dabei den Mülleimer, sodass die Plazenta und ein bisschen Blut auf dem Krankenhaus-Boden landen. Was für ein Glück für sie, dass nun Schichtende ist – ihre Nachfolgerin darf den Kreißsaal anschließend säubern…

Nachdem meine Geburtsverletzungen versorgt sind, wird mir das Julimädchen zurück gebracht und wir werden vom Kreißsaal in einen anderen Raum gebracht, wo wir frühstücken und unsere Eltern anrufen, um ihnen mitzuteilen, dass sie gerade Großeltern geworden sind.

Auf der Geburtsstation

Eine Schwester der Geburtsstation holt uns anschließend ab und schiebt uns in das Familienzimmer auf der Geburtsstation, um das wir vorher gebeten haben. Dort findet die Krankenschwester die Werte der Kleinen sehr besorgniserregend, sodass auch noch ein Kinderarzt dazu gerufen wird.

Man beschließt, dass mein Baby in die Neonatologie verlegt werden muss – in einem anderen Krankenhaus und ohne dass ich dort ebenfalls als Patientin aufgenommen werden kann. Plötzlich liege ich ganz allein in einem Familienzimmer und weiß gar nicht wirklich, wohin mit mir.

Nach sechs langen Tagen, in denen wir unser Baby nur stundenweise sehen können, wird sie endlich entlassen und wir dürfen sie mit nach Hause nehmen. Wie es nach der Geburt und dem Krankenhaus-Aufenthalt mit dem Stillen weiter ging, erfahrt ihr hier.

Geburtsbericht vom Julimädchen
Endlich geboren

Wie ich die Geburt im Nachhinein erlebt habe

Die Geburt war für mich sehr langwierig und kräftezehrend. Von der ersten Wehen in der Nacht von Samstag auf Sonntag hat es bei Montagmorgen gedauert, also über 30 Stunden und zwei schlaflose Nächte, bis unser Baby endlich auf der Welt war. Vermutlich hat das auch zu den schlechten Werten der Kleinen und dem Aufenthalt in der Neonatologie beigetragen.

Ich habe das Gefühl, sehr passiv gewesen zu sein, weil ich nicht wirklich wusste, was auf mich zukommt und habe darauf gehofft, dass die Geburt im Krankenhaus schon irgendwie von selbst ihren Lauf nehmen wird.

Ich habe im Prinzip ausschließlich unter Anleitung der Hebamme bzw. Frauenärztin agiert und nichts selbst bestimmt oder mir im Vorhinein überlegt, wie ich mir die Geburt gewünscht hätte. Für die nächste Geburt hatte ich mir daher vorgenommen, wesentlich aktiver selbst mitzubestimmen.

Was ich daraus für die nächste Schwangerschaft und Geburt gelernt habe

In der Schwangerschaft mit dem Aprilmädchen weiß ich bereits, dass ich mich ganz anders auf die Geburt vorbereiten möchte, als ich das in der ersten Schwangerschaft gemacht habe. Ich beschäftige mich viel mehr mit Geburtspositionen und mit Hypnobirthing – weder möchte ich noch einmal auf dem Rücken liegend gebären müssen, noch möchte ich eine PDA bekommen, die fast zum Stillstand der Wehen geführt hat.

Auch die Interventionen, die die PDA mit sich geführt hat wie Wehen-Tropf, liegen müssen statt stehen oder gehen können und auch der Kristeller Griff während der Presswehen, möchte ich vermeiden können. Daher hatte ich mir vorgenommen, bei der zweiten Geburt so lange wie möglich zu Hause zu bleiben und erst mit einem weit geöffneten Muttermund – also kurz vor der Austreibungsphase – mit meinem Mann ins Krankenhaus zu fahren.

Wie die Geburt vom Aprilmädchen dann tatsächlich verlaufen ist, dazu wird es von mir demnächst einen weiteren Geburtsbericht geben.

Weitere Aktionen am Roses Revolution Day:

Nadine von Villa-Kunterbunter.de berichtet über Rituale in der Geburtsvorbereitung. Und auch bei Jenny von Berggeschwister.de geht es heute um den Roses Revolution Day und Gewalt unter der Geburt.

Bei Littleyears.de argumentiert Isabel dazu, warum wir viel mehr über Geburten sprechen sollten.

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Profilbild Jenni Kappes

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