
Meine Fünftklässlerin hat vor kurzem in Deutsch eine Klassenarbeit zum Thema Märchen geschrieben. Was mir beim Lernen mit ihr aufgefallen ist: in ihren Unterlagen werden die einzelnen typischen Charaktere in Märchen zwar eingeordnet, die Rollenbilder jedoch nicht hinterfragt. Und die typischen Rollen von Frauen in Märchen sind entweder extrem passiv oder sehr böse: es gibt auf der einen Seite die Prinzessin, die auf ihren Retter wartet (oder wie Dornröschen währenddessen 1000 Jahre lang schläft) und auf der anderen Seite die böse Hexe, die böse Stiefmutter. Frauen kommen in Märchen in der Regel nicht gut weg. Stattdessen sind ein König, Prinz oder der arme Bauernjunge die eigentlichen Akteure der Geschichte.
Dieser Blogbeitrag nimmt teil an der Blogparade „Märchen und wie sie uns heute noch beeinflussen“.
Beim Lernen für ihre Deutsch-Arbeit habe ich daher versucht, meine Tochter mit meinen Fragen zum kritischen Hinterfragen dieser Geschichten, die sie bisher für selbstverständlich gehalten hat, anzuleiten. Doch gleichzeitig sind Märchen für viele ein Kulturgut und ich finde es wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind, welche Rollenbilder diese patriarchal geprägte Kultur darstellt und was wir damit an unsere Kinder weitergeben:
Warum die Hexe mehr ist als eine Märchenfigur
Wenn wir heute an Hexen denken, entsteht meist sofort ein sehr klares Bild: eine alte Frau mit schwarzem Hut, krummer Nase und magischen Kräften. Sie lebt allein, wirkt unheimlich, hat Macht – und ist in den meisten Geschichten die Gegenspielerin. Dieses Bild begegnet Kindern früh, in Märchen, Spielen, Filmen und Kinderbüchern, so selbstverständlich, dass es kaum noch hinterfragt wird.
Doch genau hier beginnt das eigentliche Thema: Die Hexe ist keine neutrale Fantasiefigur. Sie ist ein kulturelles Symbol, das tief in gesellschaftliche Vorstellungen von weiblicher Macht, Kontrolle und Abweichung eingebettet ist. Und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen, welche Bilder wir Kindern damit über Frauen, Stärke und „Gefährlichkeit“ vermitteln.
Wie Kinder durch Geschichten lernen, was „weibliche Macht“ bedeutet
Kinder lernen durch Geschichten weit mehr als nur Handlung und Figuren. Sie lernen Bewertungen, emotionale Zuordnungen und gesellschaftliche Muster. Wer ist gut? Wer ist gefährlich? Wer darf Macht haben – und wessen Macht muss kontrolliert werden?
In vielen Märchen und Kinderspielen ist die Rolle der Hexe eindeutig festgelegt. Sie ist die Bedrohung, die Chaosfigur, die überwunden oder besiegt werden muss. Dabei wird selten Raum dafür geöffnet, warum sie so dargestellt wird oder welche Perspektiven hinter dieser Figur fehlen.
Das eigentliche Problem liegt deshalb nicht in der einzelnen Erzählung, sondern im wiederkehrenden Muster: Weibliche Figuren, die unabhängig sind, Wissen besitzen oder außerhalb erwarteter Rollen handeln, werden überproportional oft als Gefahr markiert. Nicht als selbstverständlich, nicht als differenziert, sondern als etwas, das eingegrenzt oder neutralisiert werden muss.
Hexenverfolgung in Europa: Wenn weibliche Autonomie zur Gefahr wurde
Um dieses kulturelle Muster zu verstehen, hilft ein Blick in die Geschichte. Zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert kam es im Rahmen der Hexenverfolgungen in Europa zur Verfolgung und Ermordung zehntausender Menschen, überwiegend Frauen.
Dabei traf es besonders häufig Frauen, die nicht in die bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Strukturen passten: Hebammen, Heilerinnen, Kräuterkundige oder alleinstehende Frauen, die wirtschaftlich unabhängig lebten. Ihr Wissen war nicht das Problem – sondern ihre Sichtbarkeit und ihre Unabhängigkeit.
Wo weibliche Autonomie auf patriarchale Macht- und Besitzverhältnisse traf, entstanden Spannungen, die sich in Ausgrenzung, Verdächtigungen und Gewalt entluden. Die „Hexe“ ist deshalb kein Märchenrest, sondern ein historisch gewachsenes kulturelles Bild dafür, wie Gesellschaften auf weibliche Selbstbestimmung reagiert haben.
Hexen neu lesen: Perspektiven aus der Literatur
Kathrin Blum: Hexen als verdrängte weibliche Wissensgeschichte
Das Buch „Hexen – Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen“ von Kathrin Blum* öffnet den Blick hinter das vertraute Märchenbild und richtet ihn auf die realen Frauen, die historisch hinter dem Begriff „Hexe“ standen.
Im Zentrum stehen Frauen mit Heilwissen, Geburtsbegleitung, Pflanzenkunde und medizinischer Erfahrung: Wissen, das für ihre Gemeinschaften existenziell war. Gleichzeitig zeigt das Buch, wie schnell aus diesem Wissen Misstrauen wurde, sobald gesellschaftliche Spannungen entstanden oder Machtverhältnisse ins Wanken gerieten.
Kathrin Blum macht deutlich, dass Hexenverfolgung eng mit sozialen und politischen Strukturen verbunden war. Frauen wurden dort angreifbar, wo sie Einfluss hatten, wirtschaftlich unabhängig waren oder sich nicht in klar definierte Rollen fügen ließen. Damit wird die Hexe nicht zur Märchenfigur, sondern zum Ergebnis historischer Machtverhältnisse.
Sachbuch für Kinder: „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ von Hazel Atkinson*
Das Sachbuch „Die Geschichte der Hexen und magischen Frauen“ von Hazel Atkinson aus dem DK Verlag* erklärt und hinterfragt Hexenbilder und bietet damit einen niedrigschwelligen Zugang für Kinder und Familien. Es zeigt, dass Hexenbilder kulturell sehr unterschiedlich sind und sich über Zeit und Gesellschaft hinweg stark verändert haben. Dabei wird deutlich, dass diese Figuren weniger über „Hexen an sich“ erzählen, sondern über die Gesellschaften, die sie erschaffen haben.
Besonders wertvoll ist der Perspektivwechsel: Statt die Hexe als feste Figur zu behandeln, lädt das Buch dazu ein, über Rollenbilder nachzudenken. Warum werden bestimmte Frauen gefürchtet? Welche Geschichten über Frauen werden weitergegeben? Und welche fehlen?
Jarka Kubsova: „Marschlande“* und die Logik weiblicher Ausgrenzung
Der Roman „Marschlande“ von Jarka Kubsova* verbindet Gegenwart und Vergangenheit und zeigt, wie tief historische Muster weiblicher Bewertung in unsere Gegenwart hineinreichen.
Im Zentrum steht Abelke Bleken, eine Frau im 16. Jahrhundert, die wirtschaftlich unabhängig ist und ihren Hof erfolgreich führt. Genau diese Unabhängigkeit wird jedoch zum Problem. Den einflussreichen Männern in ihrer Umgebung ist ihr Erfolg ein Dorn im Auge, weil er bestehende Macht- und Besitzverhältnisse infrage stellt.
Abelke wird nicht einfach „Teil eines Konflikts“, sondern aktiv zur Zielscheibe gemacht. Ihre wirtschaftliche Stärke und ihr selbstbestimmtes Leben passen nicht in die patriarchale Ordnung ihrer Zeit. Im Verlauf der Ereignisse wird sie systematisch unter Druck gesetzt und im Rahmen dieser Machtkonflikte zum Sündenbock für Entwicklungen gemacht, für die sie in keinster Weise verantwortlich war.
Jarka Kubsova macht damit in ihrem Roman ein strukturelles Muster sichtbar, das eng mit dem kulturellen Hexenbild verbunden ist: Weibliche Autonomie wird nicht als Normalität akzeptiert, sondern als Störung gelesen, die erklärt und begrenzt werden muss.
Lea Streisand: Märchen, Mutterschaft und weibliche Normierung
Der Roman „Hätt ich ein Kind“ von Lea Streisand* nähert sich dem Thema über die Gegenwart und die subtilen Mechanismen gesellschaftlicher Normierung. Im Mittelpunkt steht unter anderem eine Frau, die eine Promotion über Märchen schreibt, und gleichzeitig den starken, aber bisher erfolglosen Wunsch hat, selbst Mutter zu werden. Dieser Aspekt ist zentral, weil Märchen seit Jahrhunderten eines der wichtigsten kulturellen Systeme sind, in denen Frauenbilder erzeugt und weitergegeben werden.
Lea Streisand verbindet diese Ebene mit persönlichen Beobachtungen über Mutterschaft und Lebensentscheidungen. Dabei wird sichtbar, wie stark weibliche Lebensentwürfe bis heute bewertet werden. Ob eine Frau Kinder bekommt oder nicht, wird selten als reine Privatentscheidung verstanden, sondern immer wieder sozial eingeordnet, kommentiert und normativ bewertet.
Der Roman zeigt damit, wie Frauen weiterhin in gesellschaftliche Deutungsrahmen gedrängt werden, die festlegen, was als „richtiges Leben“ gilt und was als Abweichung erscheint. Diese Mechanismen sind subtil, wirken aber tief – über Sprache, Erwartungen und soziale Zuschreibungen.
Der Bezug zur Frauen- und Hexenfigur entsteht hier über das Märchen als Thema der Promotion der Hauptfigur und über die zugrunde liegende Logik: Frauen, die nicht in vorgegebene Rollen passen, werden bewertet, eingeordnet und normiert. Während dies früher in der Figur der „Hexe“ sichtbar wurde, wirken diese Muster heute in veränderter, aber weiterhin wirksamer Form fort.
Was bedeutet das für die Begleitung unserer Kinder?
Wenn wir über Hexen sprechen, sprechen wir nicht nur über Märchenfiguren, sondern über kulturell tief verankerte Vorstellungen von weiblicher Macht und Abweichung. Aus einer feministischen Perspektive wird sichtbar, dass die Hexe häufig genau jene Eigenschaften verkörpert, die Frauen historisch abgesprochen oder negativ bewertet wurden: Unabhängigkeit, Wissen, Einfluss und Selbstbestimmung.
Für die Begleitung von Kindern bedeutet das nicht, Geschichten zu vermeiden. Es bedeutet, sie gemeinsam zu betrachten und einzuordnen, so wie ich es mit meiner Tochter gemacht habe: Warum wird eine Figur so dargestellt? Welche Perspektiven fehlen? Und welche Alternativen wären denkbar?
So lernen Kinder, dass Rollenbilder nicht naturgegeben sind, sondern entstanden – und damit auch veränderbar.
Mein Fazit: Die Hexe neu erzählen
Die Hexe ist keine harmlose Märchenfigur. Sie ist ein kulturelles Spiegelbild dafür, wie Gesellschaften mit weiblicher Autonomie umgehen.
Wenn wir beginnen, Hexen nicht nur als böse, unheimlich, kinder-essende Frauen zu erzählen, sondern auch als Heilerinnen, Wissende und unabhängige Frauen, verschieben wir nicht nur alte Geschichten, sondern auch unsere Sicht auf Weiblichkeit selbst. Und genau darin liegt die eigentliche Kraft dieses Themas: Es geht nicht nur um Märchen. Es geht darum, welche Welt wir durch unsere Erzählungen formen.
Und was meine Tochter angeht: sie hatte in ihrer Deutsch-Arbeit die Aufgabe, ein Märchen, dessen Anfang bereits auf dem Papier stand, zu Ende zu schreiben. Sie hat dabei als Hauptfigur eine furchtlose Prinzessin gewählt, die viele Abenteuer besteht – und am Ende nicht den Prinzen heiratet, sondern schlicht eine gute Herrscherin für ihr Volk ist.
Gewinnspiel
Passend zu diesem Beitrag habe ich zwei der Bücher aus diesem Artikel freundlicherweise von den jeweiligen Verlagen erhalten und darf sie hier verlosen:
Verlost werden ein Exemplar von „Hexen – Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen“ von Kathrin Blum* sowie ein Exemplar von „Hätt ich ein Kind“ von Lea Streisand*.
Wenn du eines der Bücher gewinnen möchtest, hinterlasse einfach einen Kommentar unter diesem Blogartikel. Schreibe bitte dazu, welches Buch du gern lesen würdest und was dich an dem Thema interessiert oder welcher Gedanke aus dem Artikel bei dir hängen geblieben ist.**
— — — — — —
*[Werbung:] Der Text enthält Affiliate Links. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision erhalte, wenn ihr auf einen der mit Sternchen (*) versehenen Links klickt und darüber einkauft. Euch entsteht dadurch kein Nachteil, aber ihr unterstützt damit meine Arbeit.
** Gewinnspiel-Teilnahmebedingungen:
Teilnahmeberechtigt sind natürliche Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. Unter allen Kommentaren unter diesem Blogartikel werden die beiden Bücher verlost. Die Teilnahme ist bis zum 12.07.2026 um 23:59 Uhr möglich.
Die Gewinner*in wird per Zufallsprinzip ermittelt und im Anschluss per E-Mail benachrichtigt. Voraussetzung für den Gewinn ist, dass innerhalb von 24 Stunden nach Benachrichtigung eine gültige Versandadresse mitgeteilt wird. Erfolgt dies nicht, wird neu ausgelost.
Der Versand erfolgt ausschließlich innerhalb Deutschlands. Eine Barauszahlung oder ein Tausch des Gewinns ist ausgeschlossen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
— — — — — —

Sonnenkinderleben.de: Ich bin Jenni und ich bin feministische Coachin, artgerecht® Erziehen ohne Schimpfen Coach, Dreifachmama, begeisterte Anwenderin der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg sowie Content- und Marketing-Expertin. Hier findest du mehr über mich.
Folge mir hier: Facebook, Instagram oder Pinterest, um regelmäßig über meine Beiträge zu bedürfnisorientierten, gleichberechtigten und nachhaltigen Familienleben informiert zu werden.
Hier kannst du meinen Newsletter abonnieren und meinen Blog per RSS abonnieren. Ich freue mich auf dich!





Liebe Jenni,
WOW! Danke für diesen wichtigen Artikel!
Ich finde es toll, wie du das Thema mit deiner Tochter behandelt hast und bin froh über die Anregung. Ich feiere sehr, wie sie das Märchen weitergeschrieben hat. Hat die Prinzessin vielleicht auch Fußball gespielt? 😉
Nachdem ich „Marschlande“ gelesen hatte, bin ich innerlich zusammengezuckt, wenn ich gewisse Spielzeuge meiner Kinder gesehen habe, wie eine Playmobil-Hexe oder das Spiel „Zauberberg“, das du auch im Artikelbild zeigst.
Umso wichtiger, dass es heutzutage Kinderbücher gibt, die uns bei der „Aufklärung“ unterstützen, die der uralten Erzählung der „bösen Hexe“ etwas entgegensetzen, bzw. den Rollenbildern allgemein. Ich feiere in diesem Zusammenhang sehr das Buch „Der Prinz auf der Erbse und andere umgekrempelte Märchen“ von Karrie Fransman & Jonathan Plackett, erschienen bei Kein und Aber (https://www.keinundaber.ch/buecher/der-prinz-auf-der-erbse?variant=270125) und habe bei einer kurzen Recherche gesehen, dass es einige andere dieser Art gibt. Rollenbilder sind veränderbar – let’s go and do it!
Die Bücher, die du verlost, interessieren mich beide, aber weil ich mich für eins entscheiden muss, wähle ich das von Kathrin Blum.
Liebe Julia, oh wie schön, danke dir für den Buchtipp – dieses Buch wird auf jeden Fall demnächst bei uns im Regal stehen. 🙂
Tolles und wichtiges Thema!
Ich fand „die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estes ein extrem wichtiges Buch. Sie deutet Märchen auf feministische Art und sagt genau das, was Du auch beschreibst: Hexennsind nicht böse, sondern starke, weise, wilde und unabhängige Frauen.
Dann gibt es noch Ursula seghezzi, die in ihren Büchern Märchen so erzählt, wie sie vermutlich ursprünglich gedacht waren: als Initiationen, dem Leben dienend. Sie sagt, dassdie Gebrüder Grimm die Geschichten so verändert haben, dass sie in ihre damalige (sehr prüde und sehr patriarchale) Zeit gepasst haben.
Für Kinder liebe ich dievier Bände von „die kleine Hexe“ von Lieve Baeten und „Die Hexe, die sich im Dunkeln fürchtete von Constanze Spengler. Hier geht es jeweils um eigensinnige, freie, lustige und noch viel mehr Hexen, die machen, was sie wollen und sich selbst genug sind..
Liebe Karin, was für spannende Buchtipps – ich danke dir dafür. 🙂
Liebe Jenni,
super spannender Artikel und auch ich musste kurz innerlich zucken, als ich die Fotos von den Spielen gesehen habe… (Schokohexe ist dank Logopädie bei uns gerade hoch im Kurs). Gerade in den aktuellen Umbruchszeiten finde ich das Thema Hexen, Frauenkraft, Wissensvermittlung super spannend.
Vielen Dank für die Buchtipps und ich hüpfe natürlich gerne in den Lostopf., gerne für das Buch von Kathrin Blum.
Und ich kannte tatsächlich Deinen Blogseite noch gar nicht… 😉
LG
Katrin
Dein Blogartikel hat mich sehr berührt, danke dafür! 🥹
Mir ist noch ein weiteres Buch untergekommen, das wunderbar zu deinem Post passt: „Von acht Prinzessinnen, die keinen Retter brauchen“. Bisher haben wir erst die erste Geschichte gelesen, dort gibt es u.a. eine mutige Prinzessin, Worthülsen schwingende Ritter und eine heilkundige alte Frau. Klare Leseempfehlung!
Die Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen interessieren mich sehr!
Liebe Jenni,
die „Hexe im Märchen“ ist ein richtig schwieriges Thema. Gerade in den „Kinder- und Hausmärchen“ (KHM) der Brüder Grimm kann man selbst bestimmt handelnde Mädchen und Frauen mit der Lupe suchen, wie bspw. „Allerleirauh“ und „Prinzessin Mäusehaut“. Das ist kein Zufall, sondern so gewollt. Die Brüder Grimm haben die Märchen auch verändert und dem Zeitgeist angepasst, um ihre Märchenbücher gut verkaufen zu können. Das hat vor allem Wilhelm Grimm so gut gemacht, dass die KHM nach der Bibel der Best- und Longseller der deutschen Sprache und damit zum Kulturgut geworden sind.
Kinderwunsch und Wunschkinder ist ein wichtiges Them a im Märchen und auch in der Realität. Es gibt unendlich viele Märchen zu diesem Thema. Märchen über Frauen, die keine Kinder wollen, sind extrem selten. In dem Märchen „Die Frau, die keine Kinder haben wollte“, geht eine junge Frau, die Angst hat bei der Geburt ihrer Kinder zu sterben (genauso wie ihre Mutter) zu einer weisen Frau, die die sieben Kinder, die sie gebären sollte, in Steine verwandelt, die die junge Frau dann in einen Brunnen wirft. Das ist eine so große Sünde, dass sie ihren Schatten verliert und nicht mehr weinen kann. Dabei ist es doch nur verständlich, dass die junge Frau Angst hat, denn die Müttersterblichkeit war damals höher als heute.
Als Märchenerzählerin hat mir das patriarchale Weltbild der KHM nie gefallen und so habe ich nach Märchen gesucht, in denen Mädchen und Frauen selbstbestimmt handeln, auch wenn sie sich dafür manchmal als Männer verkleiden müssen. Da gibt es eine ganze Menge in vielen Kulturen, bspw. im Orient und in Asien.
Ich würde auch gerne ein Buch gewinnen und zwar: „Hexen – Geheimnisse und Schicksale weiser Frauen“
Liebe Grüße
Bettina
Liebe Bettina, spannend, es gibt so viele Märchen, die ich noch nicht kannte. Mir geht es genauso wie dir, dass mir das patriarchale Weltbild in vielen Märchen nicht gefällt, aber mir war gar nicht bewusst, wie viele andere Märchen es abseits davon noch gibt. Danke dir sehr fürs die neuen Inspirationen!
Vielen Dank euch allen für die spannenden Buchtipps und tollen Kommentare!
Das Gewinnspiel ist nun beendet und die Gewinnerinnen sind benachrichtigt.