Das gibt uns die Krise – Blogger berichten über die positiven Seiten der Pandemie

Tamara von Mamamal3 hat aufgerufen zu einer Blogparade zum Thema „Corona-Krise als Chance“.

Immer wenn die Krise mir schlechte Laune macht, weil Eltern und Kita-Kinder mal wieder als letzte bedacht werden (und noch mal #CoronaEltern…), dann tut es mir gut, einen Blick auf die positiven Dinge zu richten. Ein bisschen Achtsamkeit und Dankbarkeit für die Dinge, die in der letzten Zeit schön und positiv waren, wie auch Alus Idee der 30 guten Dinge am 30. des Monats (#30am30). Glaubt mir, wer eine Liste mit 30 positiven Sachen aus dem vergangenen Monat aufgeschrieben hat, hat anschließend erst mal keine schlechte Laune mehr.

Auch jetzt frustriert mich der Umgang mit der Corona-Krise: gestern wurden Lockerungen für beinahe alle verkündet, nur die Familien wurden irgendwie vergessen. Immerhin: Grundschul- und Kita-Kinder dürfen bis zu Sommerferien mindestens noch einmal in die Kita. Na, wenn das nicht allen Eltern Hoffnung macht…

Irgendetwas läuft in dieser Gesellschaft noch immer grundlegend schief, was das Wohl von Familien angeht, fürchte ich. Aber genug gemeckert an dieser Stelle, hier soll es ja um die positiven Dinge gehen.

Konzentration auf uns als Familie

Die Krise und die dadurch verbundenen Kontaktsperren haben uns dazu gezwungen, dass wir uns auf uns selbst zu konzentrieren und uns ausschließlich miteinander als Familie beschäftigen können. Und es hat bei uns vor allem dazu geführt, die Geschwisterbeziehung zu festigen.

Klar, nervt es manchmal, wenn man sonst niemanden sehen kann – zumindest in live und sich im Prinzip immer nur mit denselben drei Personen unterhalten kann. Aber es führt auch dazu, dass man sich noch viel besser kennenlernt.

Vor der Krise haben das Julimädchen und das Aprilmädchen eher nebeneinander als miteinander gespielt. Das lag unter anderem daran, dass das Aprilmädchen am Anfang noch zu klein war, um richtig mit der Großen mit spielen zu können. Stattdessen hat sie ihr oft die Lego-Bauten zerstört oder versucht, ihr das Spielzeug aus der Hand zu reißen, was natürlich zu Streit geführt hat.

Jetzt aber ist das Aprilmädchen mit ihren zwei Jahren schon so „groß“, dass sie vieles mit dem Julimädchen gemeinsam spielen kann. Auch wenn sie meist wortlos daneben sitzt, während das Julimädchen das Spiel bestimmt, ist ihre Wortlosigkeit ein stilles Einverständnis für das gemeinsame Spiel. Nur wenn sie nicht einverstanden ist, protestiert sie lautstark, und das ist ja auch gut und richtig ist, dass sie lernt, nein zu sagen.

Geschwisterliebe - die positiven Seiten der Pandemie
Geschwisterliebe – die positiven Seiten der Pandemie

Entschleunigtes Familienleben: eigener Tagesrhythmus

Am Anfang der Krise war es etwas ruckelig, von 100 auf 0 aus dem Alltag gerissen zu werden, aber dann haben wir uns nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten umgesehen, vieles ausprobiert, manches verworfen, anderes für gut befunden und übernommen.

Jetzt haben wir uns in einem neuen Alltag eingerichtet und machen vieles langsamer und mit weniger Stress als vorher. Wir tun fast nur noch das, worauf wir Lust haben und ich merke, dass der geringe Einfluss von außen, was andere Erziehungsstile angeht, deutlich abgenommen hat. Natürlich geht es bei den Kindern weiterhin darum, möglichst viel Zeit mit Mama oder Papa zu verbringen und manchmal kämpfen sie dann um unsere Aufmerksamkeit als Eltern. Aber das kompetitive „Höher, schneller, weiter“, das das Julimädchen aus dem Kindergarten mitgebracht hat, hat deutlich abgenommen.

Und wenn wir nicht gerade total übermüdet sind oder ich zu wenig Auszeiten für mich selbst gehabt habe, dann kann ich mich gerade so viel und so gut wie fast nie zuvor um die Bedürfnisse meiner Kinder kümmern (und mit ein bisschen Glück sogar um meine eigenen). Unser Familienleben ist in den letzten Wochen deutlich bedürfnisorientierter geworden und die Kinder haben auch mehr gelernt, ihre Bedürfnisse nach Hunger, Durst, Schlaf, Aufmerksamkeit usw. zur Kenntnis zu nehmen und mitzuteilen. Es ist schon erstaunlich, was alles möglich ist, wenn man viel weniger abgelenkt ist als im normalen Alltag.

Im Flow spielen und frei lernen

Spielen im Flow

Manchmal passiert es ganz unverhofft, manchmal schon fast geplant: beide Kinder spielen plötzlich gemeinsam oder getrennt in ihren jeweiligen Zimmern und ich kann ganz ungestört ein bisschen Haushalt erledigen, in Ruhe duschen oder alleine auf Toilette gehen. Das gute an der Isolation ist, dass ich die Kinder im Moment einfach spielen lassen kann.

Normalerweise sind die Kinder meist dann im Spiel-Flow, wenn wir uns fertig machen, um das Haus zu verlassen zur Kita, einer Verabredung oder einem Termin. Dann muss ich sie aus dem Spielen herausreißen und sie dazu bringen, sich die Zähne putzen oder sich anzuziehen, was auf beiden Seiten oft zu Frust führt. Jetzt lasse ich sie dann einfach spielen, bis sie wieder aus ihren Zimmern zurück kommen. Ob wir ein paar Minuten früher oder später spazieren, in den Garten oder einfach ins untere Stockwerk gehen, macht im Moment wenig Unterschied.

Freies Spielen und Lernen ganz nebenbei = Freilerner?

In der Kita, beim Sport, dem Musikunterricht und anderen Hobbys gibt es immer feste Themen, was als nächstes „dran“ ist, die sich die Erzieher*innen oder Kursleiter*innen überlegt haben. Und obwohl das in der Regel auf die Kinder abgestimmt ist, können bei größeren Gruppen natürlich nie alle Kinder gleich berücksichtigt werden. Ohne Kita und Freizeitgestaltung fällt all das gerade weg. Und ich muss allen Freilerner-Befürwortern Recht geben: ja, Langeweile macht kreativ.

Beide Kinder haben sich selbstständig Themen ausgesucht, die ihnen Spaß machen und mit denen sie sich gerade schwerpunktmäßig immer wieder beschäftigen. Beim Julimädchen mit knapp 5 sind es aktuell Buchstaben. Das Malen hat sie dafür fast aufgegeben und kritzelt nur kurz ein paar Männchen oder Dinge aufs Blatt, um anschließend alles haarklein zu beschriften.

Vom Lesen ist sie noch weit entfernt, aber sie möchte immer wieder Buchstaben schreiben und lässt sich von uns immer mehr, längere und schwierigere Wörter und Sätze buchstabieren. Zum Muttertag hat sie für die Omas und ihre Tante gerade Karten gebastelt und Sätze geschrieben wie „Alles Gute zum Muttertag für Oma. Leider können wir euch wegen Corona nicht besuchen.“

Das Aprilmädchen konzentriert sich währenddessen aufs Puzzlen und hat innerhalb der wenigen Wochen seit Beginn der Corona-Krise von kleinen 5-teiligen Puzzlen zu bis zu 40-teilig großen Puzzlen gewechselt. Sie puzzelt momentan fast immer die selben 5-6 Puzzle nacheinander durch und natürlich kann sie die mittlerweile schon fast auswendig. Wenn ich ihr ein Puzzle-Teil reiche, weiß sie ganz genau, wo das hingehört.

Ein neuer, ruhiger Alltag – für den Moment

Und für mich ist es faszinierend, meine Kinder ohne Stress und mit aller Zeit der Welt beobachten zu können. Wie sie völlig im Flow spielen und mühelos lernen und dabei absolut zufrieden mit sich selbst sind. Natürlich vermissen sie Omas, Opas, Freunde, Erzieher*innen und andere Bezugspersonen, das geht uns wohl allen so.

Aber es ist schon manchmal schön zu sehen, wie die Kinder mittlerweile miteinander spielen können. So hat das Julimädchen dem Aprilmädchen jetzt auch Rollenspiele beigebracht und sie spielen beide ganz vertieft „Vater-Mutter-Kind/er“ – so lange, bis sie beide mit der selben Puppe oder demselben Kuscheltier spielen wollen und die Ruhe kurzfristig wieder vorbei ist.

Und dann merke ich wieder, wie sehr die Kinder von diesem neuen Corona-Alltag schon geprägt sind: wenn sie einkaufen spielen, dann darf immer nur ein Einkäufer den Laden betreten und ausschließlich mit Maske. Ich frage mich, wie lange das wohl noch unser Alltag bleiben wird und wie sehr die Kindheit meiner Kinder davon verändert sein wird.

Meine Teilnahme an der Blogparade von Tamara von Mamamal3.

Weitere Teilnehmer der Blogparade:

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